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"KOTSCH" SYNOPSIS

 

WAS IST "KOTSCH"?

KOTSCH ist die Kunst, auf tugendhafte Weise Zeit totzuschlagen – durch Konsum von Alkohol, Reden von Unsinn und Erfinden stets neuer sinnloser Spiele. KOTSCH bedeutet auch, ungemein begabt und intelligent zu sein und es bloß niemanden merken zu lassen. KOTSCH heißt sich verlieben und scheitern, heißt darauf warten, dass morgen alles besser wird, wobei einem selbst die beste gute Fee nicht helfen kann. KOTSCH ist das humorvolle Porträt einer Clique von Mittzwanzigern, die in einem winzigen Provinzkaff festsitzen, und erzählt auf charmante und kuriose Weise von den alltäglichen Absurditäten des Lebens.

INHALT:

Die steirische Kleinstadt Fohnsdorf wirkt ausgestorben. Das frühere Bergwerk ist eine Industrieruine. Die Geschäfte sind aus dem Ort in die Shopping City „Arena“ verlagert worden. Die jungen Leute sind abgewandert. Nicht alle jungen Leute. Alf, Boris, Chris und Dalli gehören zu den wenigen, die hier hängen geblieben sind. Sie sind gegen Ende 20 und kennen sich von Kindheit an.

ALF (Christoph Theußl)
wohnt seit Monaten „vorübergehend“ bei seiner Mutter, die eine Drogeriemarktfiliale leitet und auch Alf dort beschäftigt. Vorher war er „weg“, von dort hat er aber nur ein abgebrochenes Studium mit nach Hause gebracht. Jetzt arbeitet er zum ersten Mal im Leben, und entsprechend jung sieht er aus.

BORIS (Andreas Kiendl) ist Kaufhausdetektiv. Er lebt mit seiner Freundin Gitti (Trixi Brunschko) und dem gemeinsamen Kind Kevin zusammen. Er ist nicht verantwortungslos genug, um seine Familie einfach sitzen zu lassen, aber auch nicht bereit, sich in ein solides Leben zu fügen. Nebenbei hat er eine Affäre mit ERNI (Sabine Friesz), der Kellnerin des Stammlokals. Boris träumt gleichzeitig vom großen Ausbruch und von einem Leben in einer kleinbürgerlichen Idylle.

CHRIS (Michael Ostrowski) arbeitet in einer Trafik. Er ist der Intellektuelle in der Runde. Er ist verbittert und zynisch, in schwachen Momenten träumt er noch von der einst angestrebten Künstlerkarriere.

Dalli (Michael Fuith) hat von der Pflichtschule direkt ans Fließband gewechselt. Er ist ein von Arbeitslosigkeit bedrohter Minderleister, der in unserer Runde als vierter Mann für Spiele eher geduldet als akzeptiert wird und der alle mit seinen ausschweifenden Gedanken über Sport und die Welt nervt und Chris als Kratzbaum dient.

Die Jungs  versuchen so lang so zu tun, als ob es nichts zu tun gäbe, bis nichts mehr geht. Zwischen ihnen herrscht eine stillschweigende Übereinkunft, einander nicht mit Problembewusstsein zu belästigen. Kritisch, aber stabil lebt es sich in diesem Zustand, und Tragik und Komik halten sich die Waage. Eher aus Gewohnheit denn aus Freundschaft hängen sie oft in ihrem Stammbeisl „Charley's Checkpoint“ herum. Dort schlagen sie die Zeit mit seichten Witzen, sinnlosen Spielen und jeder Menge Alkohol tot. „Solang der Schmäh rennt, geht die Welt nicht unter“ könnte ihr Motto lauten.

Als Alf zu ahnen beginnt, dass das Leben noch anderes bieten sollte, gerät die Situation aus dem Gleichgewicht. Er hätte gern eine Freundin statt einer Mutter, weiß aber nicht wie er das anstellen soll. Als er Anna (Ursula Strauss) kennen lernt, tritt seine Verklemmtheit so drastisch zutage, dass er sich kaum mehr über seine Probleme hinwegschwindeln kann.

Boris verliert unter Mitschuld von Alf seinen Job, unternimmt aber nicht viel um eine neue Beschäftigung zu finden, weil er sowieso aus Fohnsdorf weg will. Andererseits macht er durch den Kauf einer gemeinsamen Eigentumswohnung mit Gitti solche Träume endgültig zunichte. In Dallis Firma wiederum zieht ein neuer, härterer Management–Stil ein, der den behäbigen Dalli rasch auf die Abschussliste bringt.

So haben alle ihre persönlichen troubles und dazu kommen noch jede Menge sexuelle Frustrationen. Chris ist eifersüchtig auf Boris, einerseits, weil er in Erni verliebt ist, andererseits wegen Alf, dessen ergebene Gefolgschaft ihm durch Boris´ Einfluss entgleitet. Boris macht Alf nicht nur neugierig aufs Leben, sondern presst ihn auch mit sanftem Druck dazu, ihm bei einem Einbruch bei seinem Ex- Arbeitgeber zu helfen. Zufällig wird Chris Zeuge dieses Einbruchs. Nachdem der Konflikt zwischen den beiden in einer Schlägerei kulminiert, will Chris Boris wegen des Einbruchs verpfeifen.

Als Chris sich im letzten Moment doch von seinem Vorsatz abbringen lässt, könnten die Jungs noch einmal den Schein des alten Lebens aufrichten, wenn nicht Alf endlich die Konsequenzen ziehen und Fohnsdorf verlassen würde.

REGISSEUR HELMUT KÖPPING ÜBER  KOTSCH

1999: Die New Economy boomt, der US-Präsident hat eine Sex-Affäre, die große Koalition regiert wie gehabt - die Welt ist noch in Ordnung, auch für Alf, Boris, Chris und Dalli. Die sind Ende Zwanzig und blicken auf eine lange, gut eingespielte gemeinsame Freundschaft zurück. Sie kennen sich seit ihrer Kindheit und passen perfekt zusammen. Jeder hat seine Rolle verinnerlicht, und spielt sie auch konsequent: Der bodenständige, sinnliche Boris, der sarkastische, intellektuelle Chris, der etwas langsame und begriffsstutzige Dalli, und der verträumt schüchterne Alf.

Die vier „leben und arbeiten“ in Fohnsdorf. Als sie klein waren, war der Ort groß - das größte Dorf Österreichs mit dem tiefsten Braunkohleschacht Europas. Inzwischen ist das Bergwerk geschlossen, Fohnsdorf ein wenig kleiner, die Jungs dafür größer und der junge sozialdemokratische Bürgermeister hat mit neuen Betrieben und einem Einkaufszentrum einen Hauch von „New Labour“ an den Standort gebracht.

Doch im Mikrokosmos der Burschen machen sich Krisensymptome breit. Arbeitsverhältnisse werden mehr oder weniger unverschuldet prekär, Rituale offenbaren ihre Sinnlosigkeit und Alf beginnt zu realisieren, dass er selber es ist, was ihm da die ganze Zeit im Weg herum steht. Dagegen hilft selbst das Auftauchen der guten Fee nichts – vor allem, wenn man sich im entscheidenden Moment das Falsche wünscht.

Langsam stellt sich für Alf also die Frage, ob er selbst genug Kraft aufbringt, um einen Schritt nach Draußen zu tun. Dafür wäre schon einiges an Kraft notwendig, denn das Aufgehobensein im dampfenden Kreis der Freunde ist viel Wert, außerdem: wer weiß schon was morgen ist, und bekanntlich kann ein guter Schmäh auch was. Also Prost, dass die Gurgel net verrost´.

KOTSCH ist aus Alfs Perspektive erzählt. Diese subjektive Sicht erlaubt Ausflüge in Tagträume, winzige Beobachtungen und zugespitzte Formulierungen.

So ist KOTSCH eine wilde Mischung aus Witz und Drama, Kommentar und Comic, Routine und Überraschung geworden. Ich mag die Wege ins Absurde, ins Surreale, ins Grausame und ins Abgründige. KOTSCH ist ernst, ohne bedeutungsschwanger zu sein, und komisch ohne originell sein zu wollen.

Ich denke, am Ende soll es gut ausgehen.

Helmut Köpping



(Mit freundlicher Genehmigung der Lotus-Film GmbH, Wien; Pressebetreuung: Susanna Pyrker)