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"DIE GOTTESANBETERIN" INTERVIEW MIT CHRISTIANE HÖRBIGER

 

"Dass es eine Mutsache war, sowas zu machen, ist klar"

Peter Krobath sprach mit Christiane Hörbiger über den Spaß am Giftmord, die Lust auf Veränderung und die Gleichstellung der Frau.

Peter Krobath: Ein Publikumsliebling als Giftmörderin. Kann man sagen, dass Sie einigen Mut brauchten, um diese Rolle anzunehmen?

Christiane Hörbiger: Ja. Vor zwei Jahren gab es schon eine harmlosere Drehbuchfassung, und im ersten Moment wie Paul Harather das Buch überarbeitet hat, dachte ich: “Ah, das wird jetzt wohl eine andere Geschichte.” Ich fand es dann noch einmal gegen den Strich gebürstet, noch einmal weniger gefällig, noch einmal böser geworden. Für einen Film, der zumindest insofern besonders sein will, als einem schon manchmal das Schaudern kommen und das Lachen im Halse stecken bleiben soll, war diese Bearbeitung sicher sehr günstig. Aber dass es eine Mutsache war, sowas zu machen, ist klar. Es war eine Herausforderung, die ich gerne angenommen habe, weil ich mich ja mit dem Erfolg der Julia in den Köpfen der Leute als diese immer rechthabende Richterin eingenistet habe. Das lag in der Absicht der Serie, diese Rechnung ging voll auf, aber gerade deshalb fand ich es als Schauspielerin wichtig, jetzt auch so etwas wie “Die Gottesanbeterin” zu machen.

Peter Krobath: Worin bestand die Herausforderung?

Christiane Hörbiger: Diese Rolle verlangte eine unglaubliche Ehrlichkeit. Sowohl im Aussehen – bis zur Hälfte des Films bin ich sozusagen ungeschminkt, jeder weiß, wie alt ich bin, das ist eine Mutsache – dann so böse zu spielen, so ungefällig zu spielen. Bei so einer Figur bleibt dir vor der Filmkamera gar nichts anderes übrig als ehrlich zu sein, all die bösen und traurigen Lebenserfahrungen müssen sich in meinem Gesicht widerspiegeln und das erschreckt natürlich auch.

Peter Krobath: Beschreiben Sie mir die Figur der Trixi Jancik...

Christiane Hörbiger: In “Die Gottesanbeterin” geht es um eine Frau, die ihre Träume hat, und auch wenn sich diese Träume vordergründig mit Lady Diana und der bunten Welt der Regenbogenpresse beschäftigen, so ist da doch noch mehr, nämlich die Sehnsucht nach Glanz und Licht und einem besseren Leben. Sie kennt ja nichts anderes. Man hat ihr als jungen Menschen wahrscheinlich nicht sehr viele gescheite Bücher zu lesen gegeben. Und dann ist sie ja auch von ihrem Mann dauernd nur niedergehalten worden. Von daher entsteht eine Sehnsucht, die nur mit Geld zu befriedigen ist.

Peter Krobath: Sie gehen sehr auf die positiven Seiten dieser Figur ein. Wahrscheinlich weil Sie sie sonst gar nicht spielen könnten...

Christiane Hörbiger: Absolut. Es ist das Aufzeigen von jemanden, der immer nur getreten wurde und nun einmal die Möglichkeit sieht, zurückzuschlagen, zurückzustechen oder zurückzuvergiften. Die Geschichte einer Frau, die nie eine Chance hatte. Es gab nur diese Enge der Ehe, was ja in meiner Generation noch sehr üblich war. Sie ist immer nur von Männern abhängig gewesen, aber einmal schlägt sie zurück.

Peter Krobath: Ist das nun ein Schicksal der heutigen Zeit oder kann es solche Figuren quasi im alten Rom auch schon gegeben haben?

Christiane Hörbiger: Also im alten Rom kenne ich mich nicht aus. Aber diese Art von Figuren – vielleicht nicht ganz bis zum makabren Mord – hat es sicher bei Schnitzler auch schon gegeben. Die Frauen aus der Vorstadt, die den Herren im ersten Bezirk zwar fürs Bett gefielen, aber zum Heiraten blieb man dann doch in den eigenen Schichten. Wenn Sie so wollen, ist das eine ewig gültige Figur: Das oberste Lebensziel ist es, möglichst gut zu heiraten. Hauptsache man ist versorgt.

So entstehen Abhängigkeitsverhältnisse, meinetwegen sagen Sie Ehe dazu, aus denen man sich wirklich nicht anders befreien kann als durch Mord. Und natürlich spielt da Geld eine große Rolle, denn Geld bedeutet “raus”, und wenn auch nur bis zum Rennplatz von Baden-Baden. Sie glaubt, mit Geld kann man Glück erkaufen – das ist der große Irrtum von ihr.

Peter Krobath: In “Die Gottesanbeterin” sind Sie liebende Mutter, gefühlskalte Giftmörderin, getretene Hausfrau, Grande Dame am Rennplatz – welche Facette der Trixi Jancik war am Schwierigsten zu spielen?

Christiane Hörbiger: Am Schwierigsten war die Entdeckung, dass jemand einen als Domina und Mutterersatz wollen könnte. Das zu spielen, was Udo Kier meint, indem er mir einfach nur die Peitsche in die Hand drückt, war nicht so ganz einfach. Das war für mich eigentlich das Schwierigste, hat mir dann aber letztendlich doch – und ich glaube das sieht man auf der Leinwand – einen Riesenspaß gemacht.

Peter Krobath: Wie war die Zusammenarbeit mit Paul Harather?

Christiane Hörbiger: Nachdem der das Buch zum zweiten oder dritten Mal geändert hat, alles aus Freude an der Geschichte und am Film, habe ich am ersten Drehtag zu ihm gesagt: “Paul, wenn das Drehbuch jetzt endlich so ist und so bleibt wie es ist” - weil ich mich ja vorbereiten muss, ich muss ja alle Texte im Kopf haben, bevor ich überhaupt anfange - “wenn alles abgeschlossen ist und du keine Änderungen mehr hast” - bis dahin haben wir auch Kämpfe miteinander gehabt, kreative Kämpfe, was gut ist, also ich habe gesagt: “Von dem Moment an, wo die erste Klappe fällt, stehe ich hinter dir wie eine Eins. Das ist wie ein Zug, der aus dem Bahnhof rollt. Ich springe auf und stehe hinter dir, was immer du machst. Du kannst dich auf mich verlassen.” Und das war dann auch so. Wir haben irrsinnig zusammengehalten. Er hat eine Form gefunden, mir die Dinge zu sagen und ich habe einfach drauflos gespielt.

Peter Krobath: Wie glauben Sie wird Ihr Stammpublikum reagieren?

Christiane Hörbiger: Also jemand, der auf die Christiane Hörbiger wartet, die man so gerne hat, weil sie so liebenswürdig und so charmant ist, der wird sich wundern und vielleicht auch schockiert sein. Das ist schon möglich, wäre aber schade, denn gerade da beginnt “Die Gottesanbeterin” eine schwarze, makabre Satire zu werden. Es ist nämlich sicher keine Komödie. Wenn jemand was Lustiges über die Elfriede Blauensteiner erfahren will, der wird enttäuscht sein. Hier wird mit dem Entsetzen Scherz getrieben und das ist gut so.

Peter Krobath: Was hat “Die Gottesanbeterin” mit dem Fall Blauensteiner zu tun?

Christiane Hörbiger: Gar nichts. Vor drei oder vier Jahren, als die Blauensteiner gerade aktuell war, hätte es mich interessiert, diese Frau zu spielen. Mich hat damals fasziniert, dass ihr offenbar die Medienaufmerksamkeit das Allerwichtigste war. Eine Kleinbürgerin, die erst morden musste, um im Mittelpunkt der Öffentlichkeit zu stehen, aber es ist dann doch ein ganz anderer Stoff geworden.

Peter Krobath: Natürlich ist so eine Rolle für Sie eine Herausforderung, vielleicht sogar eine willkommene Abwechslung. Aber was sagen Sie wirklich den Fans, die sich entsetzt fragen: “Warum macht die Hörbiger das?”

Christiane Hörbiger: Ich muss mir nichts mehr beweisen, soviel steht fest. Aber trotzdem lebst du als Schauspieler vom Gefühl, dass du dich verwandeln kannst, dass du dein Publikum überraschen kannst. Das brauchst du, um interessant zu bleiben. Ich kann ja nicht ewig nur die Sympathieträgerin in einer Fernsehserie spielen, allein schon aus Gründen der Berufshygiene muss ich mich hin und wieder auch mal verändern. Es ist ganz wichtig, zwischendurch mal was anderes zu machen. Viele Kollegen bekommen diese Chance ja gar nicht. Deshalb freue ich mich über die Möglichkeit, eine so makabre und böse, aber gleichzeitig auch menschlich verständliche Figur darzustellen.

mit freundlicher Genehmigung der Allegro Filmproduktion GmbH., Wien

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